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Mehr Ungleichheit in der Bildung dank Corona

  • Li.Sa
  • Allgemein, Beteiligung, Digitalisierung


Seit Jahren wird die Digitalisierung von Bildung gefordert. Digitale Medien bieten verschiedene neue Chancen, um Lerninhalte interaktiver und individueller zu vermitteln. Der 2018 verabschiedete Digitalpakt sollte genau diese Möglichkeiten an die Schulen bringen. Leider wurden genau diese Mittel größtenteils nicht abgerufen und sind auch nur begrenzt einsetzbar (z.B. darf davon keine Hardware finanziert werden).

Die Schulschließungen durch das Corona-Virus haben das digitale Lernen sehr plötzlich wieder auf die Tagesordnung gebracht. Alle Schüler*innen müssen jetzt digital lernen, obwohl die Voraussetzungen dafür ganz unterschiedlich aussehen. Während in einigen Schulen die Schüler*innen bereits weitreichend Erfahrung mit digitalen Plattformen, Inhalten und Formaten sammeln konnten – mit schuleigenem WLAN, Online-Lern-Plattformen und iPads für mehrere Klassen – sieht es an anderen Schulen völlig anders aus: Ein verstaubter Computerraum für 1.000 Schüler*innen. Dazu kommt, dass die meisten Lehrkräfte überhaupt nicht geschult darin sind, wie man Lerninhalte anders als über Arbeitsblätter und die Tafel vermittelt. Diese großen Unterschiede wirken sich jetzt fatal auf die Qualität der Lerninhalte und deren Vermittlung aus.

Die Ungleichheit der Bildungschancen und der Bildungsqualität an sich vergrößert sich, wenn Lehrkräfte ihren Schüler*innen eine E-Mail mit Arbeitsblättern schicken, welche ausgedruckt, bearbeitet und dann eingescannt zurück geschickt werden sollen. Denn einige Schüler*innen können das problemlos leisten und zusätzlich an Videokonferenzen teilnehmen, während andere schon daran scheitern, eine E-Mail zu empfangen, weil es Zuhause nur einen einzigen Computer gibt. Auf den jetzt auch noch die gesamte Familie zugreifen muss.

Die Devise »Bring your own device« stellt schon länger ärmere Familien bloß. Bildung muss kostenlos und barrierefrei werden, Lernmittel müssen frei zur Verfügung gestellt werden! Schulbücher werden schließlich auch gestellt oder können ausgeliehen werden. Warum nicht auch digitale Endgeräte? Die drastische Umstellung von Unterricht auf Digitales Lernen durch Covid-19 zeigt nur weiter auf, wie ungleich Bildung in Deutschland ist. Jede*r muss die Chance haben, sich ohne Hürden zu bilden.

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Weiterführende Links:
Taz online vom 23.03.2020: Folgen der Schulschließungen: Corona macht Bildung ungleicher
Taz online vom 23.03.2020: Laptop-Lernen in Corona-Zeiten: Abgehängte Schüler

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