Menschenrechtsbildung in der Schule

 

Bericht von der Obessu Study Session „Bringing Human Rights Education to School“ 24.04 – 01.05.16 Budapest

ChWxKqAWYAAvEG2.jpg-largeVom 24. April bis 1. Mai 2016 richteten die europäische Schüler*innenvereinigung Obessu und das Europäische Jugendforum gemeinsam eine Studientagung aus, um mit Schüler*innenvertreter*innen aus ganz Europa daran zu arbeiten, wie Menschenrechtsbildung in Schulen implementiert werden kann und sie zu Multiplikator*innen für dieses Thema auszubilden. Für uns nahmen unsere Vereinsmitglieder Jessica Lein (Bundesdelegierte der LandesschülerInnenvertretung Rheinland-Pfalz) und Marvin Müller (ehemaliger Bundesdelegierter der LandesschülerInnenvertretung Rheinland-Pfalz) teil.

Nachdem alle Teilnehmenden sicher in Budapest angereist waren (einige wenige Minuten mit dem Zug, andere dagegen mehrere Stunden mit drei unterschiedlichen Flugzeugen), ging es montags mit dem Programm los: Während der Kennenlerneinheit war unsere erste Herausforderung, sich die vielfältigen Namen der über 30 Teilnehmenden der Studientagung zu merken. Gemeinsam wurden dann unsere Erwartungen und Ängste gesammelt, um die Woche zu einem angenehmen und erfolgreichen Erlebnis für alle zu machen. Daraufhin haben wir beispielsweise mit einem Menschenrechts-ABC begonnen, uns dem Thema der Tagung anzunähern. Danach fanden, wie an jedem Abend, die „Recreational Groups“ statt, indem wir die Möglichkeit hatten in kleiner Runde den Tag zu reflektieren, auszuwerten und Feedback an das Team geben, das die Study Session organisiert hat. Diese Re-Groups wurden im Laufe der Woche wie eine kleine Familie und haben uns stets einen geschützten Ort geboten, um über den Tag nachzudenken.

Am zweiten Tag konnten wir Menschenrechte während einer Simulation, in der es um soziale Gerechtigkeit („Die Oberschicht sitzt auf gemütlichen Sesseln und darf Schokolade essen, die Mittelschicht auf Stühlen an einem Tisch und die Unterschicht in einem Käfig auf dem Boden“) und Demokratie ging („Fünf Stimmen für jeden Menschen aus der Oberschicht, eine für die Menschen aus der Mittelschicht und eine halbe Stimme pro Person für die Unterschicht“) hautnah erleben. Danach setzten wir uns mit Menschenrechtsverletzungen in Europa auseinander und präsentierten sie in einer „Menschenrechts-Fernsehshow“. In der finalen Einheit des Tages lernten wir die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und Europäische Menschenrechtskonvention kennen.

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Der folgende Tag begann mit einem Rollenspiel, in dem wir Teilnehmende als Richter*innen, Ankläger*innen oder Verteidiger*innen einen Prozess vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte simulierten. Zudem wurde die Arbeit mit wichtigen Dokumenten im Bereich der Menschenrechte, die am vorigen Tag begonnen wurde, fortgesetzt und wir haben uns beispielsweise mit der UN-Kinderrechtskonvention auseinandergesetzt. Am Ende des Tages schauten wir uns den Film „Path to Dignity“ an, der allen verdeutlicht hat, wie Menschenrechtsbildung das Leben von Menschen verändern kann, und uns bestärkt hat, uns für Menschenrechte zu engagieren.

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Am vierten Tag haben wir darüber reflektiert, was unsere Organisationen und Länder, in denen wir leben, bereits im Bereich der Menschenrechtsbildung leisten und uns darüber ausgetauscht. Für uns als SV-Bildungswerk ist das Thema Menschenrechtsbildung schon gemäß unserer Satzung („§2 Vereinsziele“ […] „d. Verwirklichung der Menschenrechte, insbesondere der UN-Kinderrechtskonvention“) zentral und beispielsweise mit unserem SV-Berater*innen-Netzwerk, mit dem wir unter anderem Schule demokratischer machen und Rechte von Schüler*innen stärken möchten, wichtige Arbeit im Bereich der Menschenrechtsbildung leisten. In Deutschland ist die Menschenrechtsbildung auch bereits in den Lehrplänen vertreten, doch die Realität, die wir Schülerinnen und Schüler in der Schule erleben sieht leider anders aus. Schließlich konnten wir nach einer ausführlichen Zwischenauswertung einen freien Nachmittag in Budapest genießen und können besonders die Thermalbäder empfehlen.

Mit frischer Energie konnten wir so an den letzten beiden Tagen daran arbeiten, wie wir Menschenrechtsbildung in unsere Schulen bringen können und was Chancen und Hindernisse dabei sein können. Am fünften Tag haben wir uns gemeinsam mit einem Referenten von einer Menschenrechtsbildungs-Initiative (Domagoj Moric, GOOD Initiative) uns damit auseinandergesetzt, was die wichtigsten „Stakeholder“ sind, um unser Ziel zu erreichen. Außerdem hat er von seinen Erfahrungen mit der Initiative berichtet und gezeigt, wie sie zurzeit dafür kämpfen Menschenrechtsbildung als eigenes Fach in Kroatien einzuführen. Außerdem lernten wir in der Abendeinheit verschiedene Materialien kenne, um andere weiterzubilden: beispielsweise „Enter dignity land!“, ein Spiel mit dem man sich dem Thema niedrigschwellig annähern kann oder das renommierte Handbuch des Europarats, der KOMPASS.

Am letzten Arbeitstag haben wir konkrete Maßnahmen geplant, um unser neu erworbenes Wissen und unsere Kompetenz als Menschenrechts-Multiplikator*innen zu nutzen. Dabei war es uns wichtig, unsere Arbeit, die wir bisher schon leisten, stärker im Kontext der Menschenrechte zu betrachten und besonders die Verbindung zwischen Schüler*innen-Rechten und Menschenrechten deutlich zu machen und diesen Punkt in unserer Satzung wieder stärker in den Mittelpunkt zu stellen. Auch in unserer Arbeit in der  Landesschüler*innenvertretung sowie auf Bundesebene möchten wir das Thema auf die Agenda setzen, um es ebenfalls politisch voranzubringen.

Ganz herzlich möchten wir uns bei Obessu und dem Europäischen Jugendforum bedanken, die diese Tagung organisiert haben. Die Zeit im Europäischem Jugendzentrum, eine großartige Unterkunft, war toll! Vielen Dank auch dem Vorbereitungsteam, das viel Arbeit und Herzblut in die Study Session gesteckt hat und so unsere Erwartungen und Ziele, die wir zu Beginn hatten, mehr als erfüllt wurden.

Zum Abschluss noch ein kleines Gedicht, das ein Teilnehmender während einer Einheit erarbeitet hat, das unsere große Motivation zeigt, gegen Menschenrechtsverletzungen zu kämpfen:

“Human Rights they are for all
So listen now and hear our call
Employer, politician, woman or man,
It is your abusive powers we wish to ban,
No-one can take our Human Rights away!”

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